Warum braucht es eine neue Bibliothek?

Im kantonalen Bibliotheksgesetz ist geregelt, dass die Regierung in Absprache mit dem Stadtrat St.Gallen dem Kantonsrat «innert angemessener Frist […] eine Vorlage über Errichtung, Trägerschaft, Organisation und Finanzierung der Kantons- und Stadtbibliothek» vorlegen.

Kantons- und Stadtbibliothek sind derzeit auf drei Standorte verteilt. Die Nutzenden und Mitarbeitenden müssen zwischen Katharinengasse, Hauptpost und Notkerstrasse  hin- und herpendeln. Die Kinder- und Jugendbibliothek an der Katharinengasse ist von der Erwachsenenbibliothek in der Hauptpost getrennt. Wissenschaftliche Nutzerinnen und Nutzer der Sammlungen in der Vadiana müssen begleitende Sekundärliteratur in der Bibliothek Hauptpost holen oder dort vor Ort einsehen. Hinzu kommen zwei Magazine, von denen Medien in die Hauptpost und zurück geliefert werden.

Auch für die interne Organisation stellen die vielen Standorte eine Erschwernis dar. Das verursacht hohe Kosten, etwa für den Kurier, und ist wenig benutzerfreundlich. Ganz generell entstehen durch die parallele Führung von zwei Betrieben viele Reibungsverluste und zu wenig Synergien. Die Bibliothek Hauptpost ist deshalb nur ein Provisorium.

Wann werden die Parlamentsbotschaften verabschiedet?

2018/2019 sollen die politischen Entscheide fallen. Aktuell wird die Ausrichtung der künftigen Bibliothek geklärt. Ebenfalls werden unterschiedliche Standorte geprüft. Erste Klärungen sind im Laufe von 2017 zu erwarten, konkrete Ergebnisse im Jahr 2018.

Muss für das Provisorium ein Provisorium gesucht werden?

Solange der Standortentscheid nicht getroffen ist, kann auch die Frage eines Provisoriums nicht beantwortet werden. Fällt die Wahl auf den Standort «Union»/Blumenmarkt, braucht es kein Provisorium. Fällt die Wahl auf die Hauptpost, wird die Frage eines geeigneten Provisoriums für das Provisorium zu klären sein. Bis Anfang 2018 ist eine Klärung des Standorts «Union»/Blumenmarkt zu erwarten.

Was wird aus der Hauptpost, falls die neue Bibliothek an einem anderen Standort errichtet wird?

Die Hauptpost wurde für die Bibliothek gekauft und ist bis jetzt auch dafür vorgesehen. Im Falle eines neuen Bibliotheksstandorts gäbe es verschiedene Möglichkeiten, das attraktive Gebäude alternativ zu nutzen. Welche Verwendungszwecke das sein werden, ist noch offen.

Wie werden die Gebäude der Kantonsbibliothek Vadiana und der Stadtbibliothek Katharinen zukünftig genutzt?

Die künftige Nutzung beider Gebäude muss jetzt noch nicht geklärt werden. Die Klärung steht an, wenn die Vorbereitung der künftigen Bibliothek schon weiter und der Standortentscheid getroffen ist.

Was passiert mit der Vadianischen Sammlung?

Wenn die Vadiana an der Notkerstrasse auszieht, stellt sich die Frage, was mit der Vadianischen Sammlung und den Archiven geschieht. Die Vadianische Sammlung der Ortbürgergemeinde wird bibliothekarisch von der Kantonsbibliothek betreut; die Ortsbürgergemeinde hat eine Forschungsstelle eingerichet, die eng mit den Stadtarchiven zusammenarbeitet.

Erste Gespräche zur weiteren Zusammenarbeit zwischen Kanton und der Ortsbürgergemeinde St.Gallen als Besitzerin der Vadianischen Sammlung haben bereits stattgefunden. Ein Entscheid ist noch nicht gefallen. Der Ortsbürgerpräsident ist zudem im Projekt Neue Bibliothek vertreten.

Wie hoch sind die Kosten für die Erstellung der neuen Bibliothek?

Gemäss Botschaft zum neuen Bibliotheksgesetz und einer ersten Grobkostenschätzung wird mit Investitionskosten von rund 70 Mio. Franken gerechnet. Diese Kosten bezogen sich allerdings auf die Bibliothek Hauptpost. Die Kosten müssen nach dem Standortentscheid neu geprüft werden. Sobald das Konzept vorliegt und der Standort festgelegt ist, wird eine verlässliche Kostenschätzung vorgenommen.

Was bringt die neue Bibliothek in der Stadt den ländlichen Gebieten und den Gemeinden im Kanton?

Die künftige Bibliothek wird allen Einwohnern und Einwohnerinnen im Kanton umfassende bibliothekarische Dienstleistungen anbieten. Schon jetzt können alle Bewohner des Kantons mit Bibliotheksausweis in der Kantonsbibliothek Tag und Nacht ein grosses Angebot digitaler Medien nutzen oder sich Bücher per Post nach Hause schicken lassen.

Dienstleistungen dieser Art sollen in Zukunft von der gemeinsamen Bibliothek übernommen und ergänzt werden. Die neue Bibliothek mit den Beständen der Stadt- und Kantonsbibliothek wird die kleineren Bibliotheken im Kanton bei ihrer Arbeit unterstützen, sodass es auch auf dieser Ebene zu einer Verbesserung der bibliothekarischen Versorgung kommt.

Die Bibliothek Hauptpost anerkennt Bibliotheksausweise aller Gemeindebibliotheken im Kanton St.Gallen, mit denen das Angebot in der Hauptpost ohne Zusatzkosten genutzt werden kann.

Werden auch die Wyborada und die Vadianische Sammlung in der neuen Bibliothek untergebracht?

Der Bestand der Frauenbibliothek Wyborada soll in die künftige Bibliothek integriert werden. Wie dies geschehen wird, ist noch zu klären. Ob die Vadianische Sammlung ins Konzept der neuen Bibliothek einbezogen wird, ist Gegenstand laufender Gespräche. Mit Vorliegen der Botschaften können zu beiden Beständen konkrete Aussagen gemacht werden.

Bleibt die Bibliothek der Universität St.Gallen an ihrem Standort?

Der Kantonsrat hat 2004 entschieden, dass Kantons- und Universitätsbibliothek nicht zusammengeschlossen werden.

Die Universitätsbibliothek bedient Lehrende, Forschende und Studierende mit Literatur und Medien. Die Universität plant darüber hinaus, ein Learning Center für Lehrende und Studierende einzurichten, das ebenfalls auf die Bedürfnisse der Universitätsangehörigen ausgerichtet ist.

Die gemeinsame Kantons- und Stadtbibliothek hingegen wird eine Bibliothek für die ganze Bevölkerung sein, die vielfältigen Zielgruppen Medien und andere Dienstleistungen anbietet und an einem zentralen Standort in der Stadt St.Gallen liegt. Da sich die Ziele und Zielgruppen der Bibliotheken stark unterscheiden, wäre eine Zusammenlegung weder in strategischer noch in organisatorischer Hinsicht sinnvoll.

Die Kantons- und die Universitätsbibliothek arbeiten bereits jetzt in allen Bereichen, in denen eine Kooperation möglich und sinnvoll ist, eng zusammen – dies etwa beim gemeinsamen Aussenlager, beim Kurierdienst und bei der Ausbildung.

Wie funktioniert der Zusammenschluss von Kantonsbibliothek und Stadtbibliothek?

In der Bibliothek Hauptpost hat sich die Zusammenarbeit der Teams von Kantons- und Stadtbibliothek nach mehr als zwei Jahren als grosser Erfolg herausgestellt. Die Kooperation klappt ausgezeichnet und strahlt auch auf die Atmosphäre in der Bibliothek aus.

Ungeeignet ist die Organisationsform. Die Bibliothek Hauptpost besteht faktisch aus zwei parallel geführten Betrieben. Durch die Fusion sollen vereinfachte und effizientere Strukturen aufgebaut werden.

Braucht es in der digitalen Zeit noch Bibliotheken?

Die Nutzungszahlen von Bibliotheken steigen trotz der Digitalisierung an verschiedenen Orten, auch im Kanton St.Gallen. Bibliotheken sind schon lange keine blossen Hol- und Bringstationen mehr, sondern Orte der Begegnung und des Austauschs. Bibliotheken schaffen zudem Orientierung in der Informationsflut, indem sie Nutzer und Nutzerinnen bei der Recherche unterstützen und zur Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz beitragen. Zeitgemässe Bibliotheken, die ein umfangreiches Angebot an digitalen Medien aufweisen, werden auch in Zukunft gefragt sein – sie sind die neuen Marktplätze der Wissensgesellschaft.

Wann wird Bibliothek eröffnet?

Die Gesamtplanung für den Betrieb und den Bau ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, zu der auch entsprechende politische Entscheidungsprozesse gehören. Beim regulären Ablauf eines Bauprojekts dieser Grössenordnung wird vom Projektentscheid bis zum Abschluss mit rund sechs Jahren gerechnet.